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Wechseljahre

Der Tanz der Hormone

Noch nie kamen so viele Frauen zeitgleich in die Wechseljahre, wie im Moment. Die Babyboomer erreichen die Lebensphase, unter der viele Frauen leiden. Die Zeit, in der vor allem die runden Geburtstage, allen voran der Fünfzigste, Frauen in Lebenskrisen stürzen. Doch das muss nicht sein. Frauen können sich auch und gerade in dieser Zeit viel Gutes tun. Wichtiger noch ist aber, die Wechseljahre als eine Zeit neuer Chancen zu begreifen.

„Ich komme gerade aus der Küche. Nun sitze ich hier und…der Schweiß tropft. Kreislauf, Schlafstörungen, Schwindel und Schweiss, Schweiss, Schweiss…“. Mit diesen Worten beschreibt eine 54 jährige Frau in einem Internetforum zum Thema Wechseljahre ihre aktuelle Situation. Eine Szene, die viele Frauen im Alter zwischen Mitte Vierzig und Mitte Fünfzig nur zu gut aus eigener Erfahrung kennen. Nur etwa jede Dritte Frau erlebt die Wechseljahre ohne Beschwerden, bei den anderen gibt es eine weite Bandbreite zwischen leichten Schmerzen und Unpässlichkeiten bis hin zu schweren körperlichen, aber auch seelischen Symptomen. „Manchmal würde ich mich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und das Haus erst wieder verlassen, wenn der ganze Spuk endlich vorbei ist“, schreibt eine Frau, 52 Jahre, in einem anderen Blog zum Thema. Doch das könnte durchaus noch dauern. Frauenärzte berichten immer wieder von Patientinnen, die erst mit Anfang Sechzig beschwerdefrei sind.

Nicht nur der Körper, auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle 

Rein medizinisch beschreiben die Wechseljahre lediglich die Zeitspanne im Leben einer Frau, in der durch eine hormonelle Umstellung die Menstruation und die Empfängnisfähigkeit aufhören. Ursache dafür ist die Abnahme von Eizellen in den Eierstöcken und die Verhärtung von Gefäßen, die zur Ernährung der Eierstöcke beitragen. Die häufig beschriebenen Hitzewallungen sind medizinisch eine logische Konsequenz des sinkenden Östrogenspiegels. Hinzu kommen Schlafstörungen, Schwindel, Kopf- und Gelenkschmerzen. Doch spätestens hier scheiden sich bereits die Geister, ob die Beschwerden physischer – oder auch psychischer Natur somd. Denn die Liste der psychischen Begleiterscheinungen ist deutlich länger. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depressionen, Vergesslichkeit und sexuelle Unlust sind nur einige wenige davon. Ein Grund für diese Begleiterscheinungen, so vermuten die Experten, ist die Tatsache, dass sich im Leben einer Frau in dieser Altersspanne ohnehin sehr viele Dinge verändern. Die Jugend ist vorbei, die Kinder ziehen aus, der Tagesablauf und die Gesprächsthemen haben sich geändert, Eltern werden pflegebedürftig und vieles mehr. Einig sind sich die Fachleute: Je negativer man die Veränderungen, die mit den Wechseljahren und der Lebensspanne einhergehen, bewertet, umso mehr leidet man unter ihnen.

Eine Behandlung kann sinnvoll sein

Anfang des Jahrtausends geisterte europaweit eine Studie durch die Lande, wonach bei mit einer Hormontherapie behandelten Teilnehmerinnen verstärkt Brustkrebs auftrat. Plötzlich galten Hormone fast als Gift. Selbst heute gibt es noch Frauen, die ihren Freundinnen verschweigen, wenn sie Hormone nehmen – zu groß ist ihre Sorge vor entsetzten Kommentaren. Die Studie ist nicht nur widerlegt – die Macher selbst haben sie teils zurückgezogen und stark relativiert. „Die Behandlung mit Östrogenen ist extrem gut wirksam“, erklärt etwa der Regensburger Professor Ortmann. Er sei zwar kein Freund der „Hormonbeglückung nach dem Gießkannenprinzip“. Je nach Art der Beschwerden sei eine Hormontherapie aber äußerst sinnvoll, so seine Studienergebnisse. Gewiss genügt es bei Frauen, die nur geringe Beschwerden haben auch, auf alternative Methoden und pflanzliche Stoffe zu setzen. In Sojabohnen, Rotklee, Hopfen und Leinsamen etwa sind sogenannte Phytoöstrogene enthalten. Diese pflanzlichen Stoffe ähneln Östrogenen in ihrer Struktur und können sich an Rezeptoren für das Hormon im Körper binden. Damit können diese Pflanzenstoffe Hitzewallungen und Schweißausbrüche dämpfen. Für Frauen, die starke Probleme haben, sind diese Methoden aber völlig unzureichend. Medizinisch, so etwa der Berufsverband der Frauenärzte, gibt es keinen Grund, unnötig zu leiden, nur aus Angst vor einer Hormonersatzbehandlung. Der Nutzen übersteige eindeutig die Risiken.

Wer so die physischen Folgen der Wechseljahre in den Griff bekommt, der kann sich auf die psychischen Veränderungen konzentrieren. Im Mittelpunkt dieser Lebensphase steht für viele Frauen die Frage: „Was will ich mit dem Rest meines Lebens eigentlich anfangen?“. Wer darauf eine Antwort hat, für den wird die „Lust auf Leben“ im Mittelpunkt stehen. So berichten viele Frauen auch, dass sie sexuell „so viel Lust haben“, wie nie zuvor. „Ich fühle mich gerade so gut wie nie. Früher habe ich mir beim Sex Gedanken gemacht, ob ich wohl attraktiv genug bin. Jetzt sind meine Gedanken frei“ beschreibt eine 58 jährige Frau ihre „neue Lust“. Das Beispiel zeigt: Vieles ist eben doch Einstellungssache.

Autor Christian Erhardt-Maciejewski ist überzeugt: Die Wechseljahre der Frau sind eine Chance , gelassener und unabhängiger von der Meinung anderer durchs Leben zu gehen. 

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„Ich komme gerade aus der Küche. Nun sitze ich hier und…der Schweiß tropft. Kreislauf, Schlafstörungen, Schwindel und Schweiss, Schweiss, Schweiss…“. Mit diesen Worten beschreibt eine 54 jährige Frau in einem Internetforum zum Thema Wechseljahre ihre aktuelle Situation. Eine Szene, die viele Frauen im Alter zwischen Mitte Vierzig und Mitte Fünfzig nur zu gut aus eigener Erfahrung kennen. Nur etwa jede Dritte Frau erlebt die Wechseljahre ohne Beschwerden, bei den anderen gibt es eine weite Bandbreite zwischen leichten Schmerzen und Unpässlichkeiten bis hin zu schweren körperlichen, aber auch seelischen Symptomen. „Manchmal würde ich mich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und das Haus erst wieder verlassen, wenn der ganze Spuk endlich vorbei ist“, schreibt eine Frau, 52 Jahre, in einem anderen Blog zum Thema. Doch das könnte durchaus noch dauern. Frauenärzte berichten immer wieder von Patientinnen, die erst mit Anfang Sechzig beschwerdefrei sind.

Nicht nur der Körper, auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle 

Rein medizinisch beschreiben die Wechseljahre lediglich die Zeitspanne im Leben einer Frau, in der durch eine hormonelle Umstellung die Menstruation und die Empfängnisfähigkeit aufhören. Ursache dafür ist die Abnahme von Eizellen in den Eierstöcken und die Verhärtung von Gefäßen, die zur Ernährung der Eierstöcke beitragen. Die häufig beschriebenen Hitzewallungen sind medizinisch eine logische Konsequenz des sinkenden Östrogenspiegels. Hinzu kommen Schlafstörungen, Schwindel, Kopf- und Gelenkschmerzen. Doch spätestens hier scheiden sich bereits die Geister, ob die Beschwerden physischer – oder auch psychischer Natur somd. Denn die Liste der psychischen Begleiterscheinungen ist deutlich länger. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depressionen, Vergesslichkeit und sexuelle Unlust sind nur einige wenige davon. Ein Grund für diese Begleiterscheinungen, so vermuten die Experten, ist die Tatsache, dass sich im Leben einer Frau in dieser Altersspanne ohnehin sehr viele Dinge verändern. Die Jugend ist vorbei, die Kinder ziehen aus, der Tagesablauf und die Gesprächsthemen haben sich geändert, Eltern werden pflegebedürftig und vieles mehr. Einig sind sich die Fachleute: Je negativer man die Veränderungen, die mit den Wechseljahren und der Lebensspanne einhergehen, bewertet, umso mehr leidet man unter ihnen.

Eine Behandlung kann sinnvoll sein

Anfang des Jahrtausends geisterte europaweit eine Studie durch die Lande, wonach bei mit einer Hormontherapie behandelten Teilnehmerinnen verstärkt Brustkrebs auftrat. Plötzlich galten Hormone fast als Gift. Selbst heute gibt es noch Frauen, die ihren Freundinnen verschweigen, wenn sie Hormone nehmen – zu groß ist ihre Sorge vor entsetzten Kommentaren. Die Studie ist nicht nur widerlegt – die Macher selbst haben sie teils zurückgezogen und stark relativiert. „Die Behandlung mit Östrogenen ist extrem gut wirksam“, erklärt etwa der Regensburger Professor Ortmann. Er sei zwar kein Freund der „Hormonbeglückung nach dem Gießkannenprinzip“. Je nach Art der Beschwerden sei eine Hormontherapie aber äußerst sinnvoll, so seine Studienergebnisse. Gewiss genügt es bei Frauen, die nur geringe Beschwerden haben auch, auf alternative Methoden und pflanzliche Stoffe zu setzen. In Sojabohnen, Rotklee, Hopfen und Leinsamen etwa sind sogenannte Phytoöstrogene enthalten. Diese pflanzlichen Stoffe ähneln Östrogenen in ihrer Struktur und können sich an Rezeptoren für das Hormon im Körper binden. Damit können diese Pflanzenstoffe Hitzewallungen und Schweißausbrüche dämpfen. Für Frauen, die starke Probleme haben, sind diese Methoden aber völlig unzureichend. Medizinisch, so etwa der Berufsverband der Frauenärzte, gibt es keinen Grund, unnötig zu leiden, nur aus Angst vor einer Hormonersatzbehandlung. Der Nutzen übersteige eindeutig die Risiken.

Wer so die physischen Folgen der Wechseljahre in den Griff bekommt, der kann sich auf die psychischen Veränderungen konzentrieren. Im Mittelpunkt dieser Lebensphase steht für viele Frauen die Frage: „Was will ich mit dem Rest meines Lebens eigentlich anfangen?“. Wer darauf eine Antwort hat, für den wird die „Lust auf Leben“ im Mittelpunkt stehen. So berichten viele Frauen auch, dass sie sexuell „so viel Lust haben“, wie nie zuvor. „Ich fühle mich gerade so gut wie nie. Früher habe ich mir beim Sex Gedanken gemacht, ob ich wohl attraktiv genug bin. Jetzt sind meine Gedanken frei“ beschreibt eine 58 jährige Frau ihre „neue Lust“. Das Beispiel zeigt: Vieles ist eben doch Einstellungssache.

Autor Christian Erhardt-Maciejewski ist überzeugt: Die Wechseljahre der Frau sind eine Chance , gelassener und unabhängiger von der Meinung anderer durchs Leben zu gehen. 

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