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Hormone gegen Osteoporose
Eine neue, differenziertere Bewertung verändert den Blick auf die menopausale Hormontherapie. Prof. Dr. med. Peyman Hadji, Gynäkologe mit Schwerpunkt Osteologie, erklärt den Stellenwert für die Osteoporoseprävention.
DIE FDA HAT DIE BLACK-BOX-WARNUNG ZUM BRUSTKREBSRISIKO DER HORMONERSATZTHERAPIE ZURÜCKGENOMMEN. WIE BEWERTEN SIE HEUTE DIE SICHERHEIT DER MENOPAUSALEN HORMONTHERAPIE?
Die Änderung betrifft zwar zunächst nur die USA, doch die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Daten gelten weltweit. Richtig eingesetzt – also im passenden Zeitfenster fünf oder zehn Jahre nach der Menopause – überwiegen bei vielen Frauen die Vorteile der MHT (Menopausale Hormonersatztherapie). Die Therapie lindert nicht nur Beschwerden der Wechseljahre sehr effektiv, sondern kann auch das Risiko für Osteoporose senken. Ein leicht erhöhtes Thromboserisiko besteht zwar, betrifft aber vor allem Tablettenpräparate. Bei transdermalen Anwendungen wie Gel oder Pflaster ist dieses Risiko deutlich geringer. Das Brustkrebsrisiko bleibt ein sensibles Thema – statistisch gesehen, zeigt sich in den ersten vier bis fünf Anwendungsjahren jedoch keine Risikoerhöhung.
WAS BEDEUTET „INDIVIDUALISIERTE MEDIZIN“ FÜR FRAUEN IN DEN WECHSELJAHREN KONKRET?
Es bedeutet vor allem, die individuellen Beschwerden, Bedürfnisse und Lebensumstände der Patientin in den Mittelpunkt zu stellen. Entscheidend ist deshalb zunächst eine gründliche Anamnese. Die Hormontherapie lässt sich heute sehr flexibel gestalten. Moderne Gel- oder Pflastersysteme ermöglichen eine feinstufige, individuelle Dosierung – zu Beginn möglicherweise höher, im Verlauf dann angepasst und reduziert. Ziel ist immer, dass die Patientin sich wohlfühlt, leistungsfähig bleibt und ihre Lebensqualität erhält.
WELCHEN STELLENWERT HABEN BIOIDENTISCHE HORMONE IN DER THERAPIE?
Dieser Begriff wird häufig missverstanden. Die heute eingesetzten modernen Hormonpräparate enthalten bereits überwiegend bioidentische Hormone. Das verwendete Estradiol entspricht biochemisch dem körpereigenen Hormon der Frau, ebenso das Progesteron. Immer wieder wird über angeblich „natürlichere“ Hormone aus der Yamswurzel gesprochen – industriell gefertigte Produkte haben jedoch den Vorteil standardisierter Qualität und exakter Dosierung.
WELCHEN PRÄVENTIVEN NUTZEN HAT DIE HORMONERSATZTHERAPIE GEGENÜBER ANDEREN ARZNEIMITTELN DER OSTEOPOROSEPRÄVENTION?
Sie gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung osteoporotischer Veränderungen nach der Menopause. Der Knochenstoffwechsel wird stabilisiert und der altersbedingte Knochenabbau kann deutlich reduziert werden. Im Unterschied zu klassischen Osteoporosemedikamenten wirkt die Hormontherapie gleichzeitig auch auf viele weitere Beschwerden und Risiken der Menopause ein. Gerade bei Frauen zwischen 50 und 60 Jahren kann sie deshalb einen wichtigen präventiven Stellenwert haben.
WELCHE ZUSÄTZLICHEN EFFEKTE HAT DIE HORMONERSATZTHERAPIE AUF KNOCHEN, HERZ-KREISLAUF-SYSTEM UND STOFFWECHSEL?
Verschiedene Stoffwechselprozesse können wieder stärker in den Bereich vor der Menopause zurückgeführt werden. Sie wirkt sich günstig auf Gelenkbeschwerden, das Herz-Kreislauf-System und das Diabetesrisiko aus. Blasenentzündungen und Inkontinenz treten seltener auf. Viele Frauen berichten zudem über besseren Schlaf, mehr Leistungsfähigkeit und eine höhere mentale Belastbarkeit.
WER HAT EIN ERHÖHTES OSTEOPOROSERISIKO – UND WARUM SIND FRAUEN NACH DEN WECHSELJAHREN BESONDERS BETROFFEN?
Mit Beginn der Menopause sinkt der Östrogenspiegel deutlich. Dadurch gerät das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau aus der Balance – der Abbau überwiegt. Wie stark eine Frau betroffen ist, variiert individuell und ist teilweise genetisch bedingt. Weitere wesentliche Risikofaktoren sind Kortisontherapien, Bewegungsmangel oder eine erhöhte Sturzneigung. Die Hormontherapie kann gezielt helfen, dieses Ungleichgewicht abzumildern und die Knochengesundheit langfristig zu erhalten.
Sabine Clever
