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Auch Frauen haben ADHS

Bei Frauen bleibt ADHS oft lange unentdeckt – und mit der Diagnose lässt auch die Hilfe auf sich warten. Doch das heißt nicht, dass Betroffene nichts tun könnten. Es gibt Wege, sich das Leben auf einfache Weise zu erleichtern.

Eigentlich wollte Lena Berg nur kurz die Spülmaschine ausräumen. Zehn Minuten später steht sie im Schlafzimmer und sortiert Socken. Die Spülmaschine dagegen wartet immer noch darauf, ausgeräumt zu werden. Auch beim Kindergarten ihrer Tochter Charlotte hat sie nicht wie eigentlich geplant angerufen. So geht es ihr ständig: In ihrem Kopf schwirren tausend Gedanken gleichzeitig herum, ein roter Faden ist nicht erkennbar. Lena Berg ist 34 Jahre alt, hat zwei Kinder, einen Job im Büro – und seit Kurzem eine Erklärung für das innere Chaos, das sie schon erlebt, seit sie ein kleines Mädchen ist. Ihre Ärztin hat bei ihr ADHS diagnostiziert.

Lange wusste sie nicht, was hinter ihrer inneren Unruhe und ihrem „Anderssein“ steckte. Denn ADHS galt jahrzehntelang als „Jungs-Sache“: Viele dachten bei ADHS an einen zappeligen Schüler, der nicht stillsitzen kann. Doch auch Mädchen und Frauen leiden unter der Störung – sie zeigt sich nur anders. Statt sichtbarer Hyperaktivität spielt sich das Chaos im Inneren ab – als immerwährendes Gedankenkarussell, als innere Unruhe und oder als Gefühl, ständig hinterherzuhinken. Doch: Viele Frauen lernen früh, gut zu funktionieren und ihre Schwierigkeiten zu verbergen. So wie Lena Berg, die jahrelang dachte, sie müsse sich einfach besser organisieren.

EINE DIAGNOSE, DIE SPÄT KOMMT

Genau deshalb wird ADHS bei Frauen häufig erst im Erwachsenenalter erkannt – manchmal nach Jahrzehnten voller Selbstzweifel. Die Diagnose ADHS ist dann für viele Frauen eine Erleichterung: Endlich gibt es einen Namen und eine Erklärung für das „Anderssein“. Spezialisierte Anlaufstellen gibt es nur wenige, auf einen Diagnostik-Termin warten Betroffene oft Monate. Und auch danach folgt nicht selten die nächste Geduldsprobe, denn Therapieplätze sind knapp, die Versorgung lückenhaft. Gerade Frauen wie Lena Berg, denen ohnehin mit Familie, Job und Haushalt alles über den Kopf wächst, fehlt in dieser Wartezeit genau das, was sie am dringendsten brauchen: Unterstützung im Hier und Jetzt.

Denn ADHS macht keine Pause, bis ein Therapietermin frei wird. Was Lena hilft, sind Strategien, die sich unkompliziert in den Tag einfügen. Feste Routinen entlasten den Kopf, weil nicht jede Kleinigkeit neu entschieden werden muss. Große Aufgaben teilt sie in kleine, machbare Schritte. Und genauso wichtig ist es, nachsichtig mit sich selbst zu sein. ADHS ist kein Charakterfehler und kein Mangel an Disziplin, sondern hat medizinische Ursachen.

WAS IM ALLTAG WIRKLICH HILFT

Auch gibt es nun niedrigschwellige Hilfen: Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) geben passgenaue Unterstützung im Alltag, bieten Tipps und Wissen über ADHS. So lässt sich die Zeit bis zur Therapie sinnvoll überbrücken – oder eine bestehende Behandlung ergänzen. Für Lena Berg hat sich seit der Diagnose ADHS vor allem eines verändert: Sie versteht sich endlich selbst. Und sie weiß, dass sie nicht warten muss, bis sich etwas bessert, sondern dass sie selbst aktiv werden kann. Das gibt ihr neue Sicherheit und Selbstbewusstsein.

Dr. Julia Egleder

WAS FRAUEN MIT ADHS DEN ALLTAG ERLEICHTERT

• Feste Routinen einführen, die den Kopf entlasten.
• Große Aufgaben in kleine, machbare Schritte teilen.
• Listen und Handy-Erinnerungen als Gedächtnisstütze nutzen.
• Wartezeit bis zur Therapie mit digitaler Hilfe überbrücken.
• Nachsichtig bleiben: ADHS ist kein persönliches Versagen.

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