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Der migränefreundliche Arbeitsplatz

Migräne ist im erwerbstätigen Alter am häufigsten und kann die Betroffenen so stark beeinträchtigen, dass sie nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten können. Doch mit einer fachgerechten Behandlung und Anpassungen am Arbeitsplatz lassen sich Fehltage reduzieren und die Lebensqualität steigt wieder.

„Ausgerechnet heute!“ Migräne-Attacken kommen unverhofft, sie lassen sich nicht planen und sie beeinträchtigen die Betroffenen stark. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.

Bei einer Attacke quälen die Betroffenen starke, pochende Kopfschmerzen, die oft nur auf einer Seite des Kopfes auftreten, dazu Übelkeit und mitunter Erbrechen. „Ganz typisch ist, dass die Schmerzintensität durch körperliche Aktivität zunimmt und die Betroffenen ein Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug haben“, sagt Privatdozent Dr. Charly Gaul vom Kopfschmerzzentrum Frankfurt. Die neurologische Krankheit trifft Frauen dreimal häufiger als Männer; in Deutschland sind 18,6 Prozent der Frauen daran erkrankt. Die meisten Kopfschmerz-Tage treten zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf – wenn die Betroffenen mitten im Beruf stehen. Migräne ist die zweithäufigste Ursache für kurzfristige Krankschreibungen. Laut Techniker Krankenkasse sind pro Tag 100.000 Menschen aufgrund einer Migräne arbeitsunfähig.

„Eine Migräne kann unter ungünstigen Bedingungen am Arbeitsplatz deutlich zunehmen“, sagt Dr. Gaul. „Das bedeutet nicht, dass Migräne-Betroffene weniger leistungsfähig sind als andere Arbeitnehmende. Im Einzelfall können jedoch die Rahmenbedingungen, beispielsweise viel Publikumsverkehr oder Schichtdienst, zu mehr Attacken führen.“ Anpassungen am Arbeitsplatz können den Betroffenen helfen. Wenig hilfreich sind dagegen Vorschläge aus der Politik, dass Arbeitnehmende ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung (AU) vorlegen sollen und dass die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden soll.

„Für Migräne-Patienten ist das eine unzumutbare Belastung“, unterstreicht Veronika Bäcker, Präsidentin der MigräneLiga e.V. Deutschland. „Ein verpflichtender Arztbesuch während einer Attacke kann die Beschwerden verstärken, die Genesung verzögern und bindet gleichzeitig Kapazitäten in bereits stark belasteten Arztpraxen.“ Die Patientenorganisation hat daher eine Petition gestartet, mit der sie darum bittet, die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen bei den Planungen der Gesundheitsreform zu berücksichtigen.

BROSCHÜRE MIT VIELEN TIPPS

Mit der kostenlosen Broschüre „Migräne im Job“ und einer Website klärt die MigräneLiga darüber auf, was Betroffene tun können, um besser mit ihrer Krankheit zu leben. „Die Wahrscheinlichkeit, am Arbeitsplatz auszufallen, lässt sich durch eine gute Therapie reduzieren“, betont Veronika Bäcker. „Aber mehr als 40 Prozent der Migräne-Patientinnen und -Patienten sind nicht in ärztlicher Behandlung!“ Wichtig ist etwa zu wissen, mit welchen Medikamenten man einen Anfall behandeln kann. Außerdem können Maßnahmen wie Pausen, regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung und Entspannungsübungen die Attackenhäufigkeit reduzieren. Stark Betroffene sollten mit ihrem Arzt auch über eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) sprechen.

Gibt es am Arbeitsplatz Faktoren, die Attacken hervorrufen, sogenannte Trigger, sollte versucht werden, diese zu ändern. Trigger können etwa flackernde Bildschirme, ungünstig ausgeleuchtete Arbeitsbereiche, Lärm, häufiger Kundenkontakt oder körperliche Anstrengung sein. Die MigräneLiga rät dazu, solche Themen beim Arbeitgebenden anzusprechen.

„So könnte man den Arbeitsplatz vom Großraumbüro in einen kleineren Raum verlegen oder Betroffene von Nachtschichten befreien“, schlägt Veronika Bäcker vor. „Auch Homeoffice kann helfen.“ Gibt es einen Rückzugsraum im Unternehmen, können Betroffene sich zurückziehen, bis die Migräne wieder besser wird. Unterstützung finden sie etwa beim Betriebsrat.

Außerdem kann es sinnvoll sein, Kolleginnen und Kollegen über Migräne aufzuklären. Dies sensibilisiert und erhöht das Verständnis für Betroffene. Die MigräneLiga bietet dazu Seminare und Vorträge im Unternehmen an.

Mehr Informationen unter: www.migraene-am-arbeitsplatz.de und migraeneliga.de

Kontakt

MigräneLiga e.V. Deutschland
Willy-Brandt-Str. 20
76829 Landau

liga@migraeneliga.de

https://www.migraene-am-arbeitsplatz.de/

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